Arbeitsbedingungen verbessern - statt Medizinstudium zerstĂĽckeln 16.04.2010

eingestellt von Dr. Hans-Heiner Decker

„Wer das Studium verkürzt, nur um Nachwuchskräfte schneller in die Versorgung einzuschleusen, gefährdet nachhaltig die Qualität der Mediziner-Ausbildung“, so Dr. Rudolf Wortmann, Aufsichtsratsvorsitzender der ÄGWL. Es zeige sich, dass der Ärztemangel gerade in den ländlichen Regionen und zuerst bei den Hausärzten sichtbar werde. In diesen schlechter versorgten Gebieten übernähmen auch heute schon Landärzte ersatzweise fachärztliche Funktionen in zunehmendem Maße.  Dies erfordere gerade beim Hausarzt gute  Basiskenntnisse der großen Fachgebiete wie z.B. der Inneren Medizin und Chirurgie. Wenn zukünftig nur noch schmalspurig ausgebildet würde, wäre der „Hausarzt als Lotse“ erst recht nicht mehr befähigt, ganzheitliche Sichtweisen zu entwickeln und mit Überblick sinnvoll unter den Spezialisten zu vernetzen. „Ausserdem steht zu befürchten, dass Medizinstudenten dann schon bei Beginn  oder während des Studiums in großer Zahl das Land verlassen werden, um einen international konkurrenzfähigen Ausbildungsstand zu erhalten. Mit Schnellschussparolen ist also nichts gewonnen!“  ergänzt Dr. Hans-Heiner Decker, Vorstandsmitglied, die Stellungnahme der Ärztegenossenschaft.  
Um den Ärztemangel wirksam zu bekämpfen gibt es nach Auffassung der ÄGWL gegenüber einer verbesserten Medizinerausbildung mit optimierten Arbeitsbedingungen in Studium, Krankenhaus und Praxis keine Alternative. Dazu zählen eine praxisnahe klinische Ausbildung, die Entlastung ärztlicher Tätigkeiten von überbordender Bürokratie und geregelte Arbeitszeiten. Die Mediziner repräsentieren einen Teil der Bildungselite in Deutschland und verdienen sich auch kraft ihrer mehr als 10 Jahre dauernden Aus- und Weiterbildung ein Recht auf entsprechende Anerkennung und angemessene Bezahlung ihrer hoch verantwortlichen Dienstleistung am kranken Menschen. Flatrate und Discountphilosophie in der Medizin gefährden eher die Wachstumsbranche Nr. 1 in Deutschland. Diese wird wesentlich durch neue Forschungsergebnisse und die wachsenden Möglichkeiten einer qualitativ hochstehenden Medizin gefördert.   


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